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Die alte Stadt Nr. 3, 2007, Gudrun-Christine Schimpf
"Insgesamt handelt es sich um eine gut zu lesende und materialreiche Studie."
Boekman Nr. 69, Winter 2006, Renée Kistemaker
Starkes Image
In ihrem Buch Museen und Stadtimagebildung untersucht die deutsche Kulturanthropologin und Kunsthistorikerin Franziska Puhan-Schulz, wie neue oder erweiterte Museen für moderne Kunst durch den Magistrat als kulturelle und ökonomische Instrumente eingesetzt werden, um das Image der Stadt zu stärken. Der rote Faden ist die Verbindung der Räumlichkeit von Stadt, Architektur und Museum.
Die Herangehensweise von Franziska Puhan-Schulz ist interdisziplinär: Sie untersucht ihren Gegenstand von der sozialen Geographie aus, dem historischen Städtebau, der Museologie, der Kunstgeschichte und dem Kulturmanagement. Dabei benutzt sie die Kulturanthropologie als alles verbindende Disziplin. Sie will ein Handbuch für jeden schreiben, der vom Museumsneubau betroffen ist, von Politikern bis Städteplanern und von Museumsdirektoren bis zu Interessengruppen und Bürgerinitiativen.
Cesky lid. Etnologicky Casopis Nr. 4, 93/2006, Zdenek Uherek
Die Autorin hat sich zwar auf drei Städte und in ihnen auf drei ausgedehnte Komplexe, das Stedelijk-Museum in Amsterdam, das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und das Museum für Moderne Kunst im Prager Veletrzní palác (Messepalast) konzentriert, ihre Kontextualisierung geht jedoch viel weiter. Sie beschreibt die Situation des Museumswesens der Länder, in denen die erwähnten Städte liegen, und zeigt, wie über Museen in den letzten zwanzig Jahren gesprochen wird und welche Funktionen ihnen zugeschrieben werden. Museen, deren Zahl in Deutschland, Holland und in Tschechien in jüngster Vergangenheit gestiegen ist, werden - so die Autorin - als Teil bzw. als Zweig der Tourismusbranche betrachtet, als ein spezifischer Typ von Industrie, mit allem, was dazugehört, und als ein bedeutender Punkt des kulturellen Lebens am betreffenden Ort. Die sich ändernde Rolle der Museen stellt sie in Zusammenhang mit den Veränderungen in der Wahrnehmung von Zeit und Raum in der globalisierten Gesellschaft, wo die Globalisierung zu Veränderungen des Lebensstils der Menschen, des Reisens, des Verkürzens von Entfernungen führt, und das Museum zum Bestandteil einer Trajektorie über große Entfernungen wird.
Era 21, 5/2006, Petr Kratochvíl
Franziska Puhan-Schulz untersucht die Verbindung zwischen dem Museum (betrachtet wie ein Bauwerk und wie eine Kulturinstitution) und der Stadt, in deren Bild die Museen und Galerien eine wichtige Rolle spielen. Ihre soziologische bzw. kulturanthro¬pologische Analyse basiert auf dem Vergleich neuer Museen in drei europäischen Großstädten. Dazu zählt auch Prag, wo sie sich auf die Rekonstruktion von Veletr_ní Palác konzentriert. Die ausgewählten Bauten repräsentieren eine neue Städtepolitik, die bemüht ist, das Städtebild in der Wahrnehmung der Anwohner und Besucher weiterzuentwickeln oder zu verändern, um als eine moderne Kulturmetropole in der globalen Kon¬kurrenz der Zentren bedeutsam zu werden. Für das Beispiel Prag gilt dies natürlich mit einer gewissen historischen Verspätung. Doch gerade der Vergleich dieser Museen mit ihrer Verankerung in historischen, urbanis¬tischen und politischen Zusammenhängen ist ein wichtiger Bestandteil dieses Buches. Aus methodologischer Sicht sind jedoch die Einleitungs¬beiträge wahrscheinlich die wichtigsten. In Form der Analyse der Phänomene Musealisierung und Ästhetisierung der Städte bieten sie einen Interpretationsrahmen für das Verstehen der neuen - instrumentellen - Rolle der Architektur.
Museumsblätter, Juni 2006, Lars Scharnholz
Das Buch ist [...] nicht [...] ein simples Kompendium zu Museumsmanagement und Stadtmarketing. Mit einem beachtlichen Maß an analytischer Präzision diskutiert die Autorin vielmehr die Gratwanderung zwischen Stadtimageaufgaben und Finanzierungsakrobatik der Museen. Das Buch bestätigt durch einen tiefgründigen Blick auf drei europäische Museumsstädte, was wir bereits vermutet haben: Die Museen werden in ihrer jüngsten Entwicklung mehr als je zuvor von Marketingstrategien und Unterhaltungsbedürfnissen geprägt. [...] Das Buch macht deutlich, dass Städte schlecht beraten sind, wenn die Finanzierung ihrer Museen zurückgefahren wird, um kurzfristig Haushaltslöcher zu stopfen. Wir lernen: Städte leisten sich ihre Museumslandschaften nicht, sie benötigen sie aus existentiellen Gründen.
Kulturpolitische Mitteilungen, 13, II/2006, Bernd Wagner
Das Buch ist gleichermaßen interessant für Akteure in Kulturpolitik, Stadtplanung und Museumsarbeit und vermittelt gerade durch die international vergleichende Perspektive interessante Einsichten.
derivé, 23, April-Juni 2006, Andreas Fogarasi
[...] So ist das Buch wohl auch für den absoluten Laien sehr verständlich, jeder Ausdruck und jede historische Begebenheit wird kurz erläutert [...].
H-Soz-u-Kult, 25. Juli 2006, Alexa Färber
Nur selten gelingt es einer empirischen Forschung den Vergleich zweier Städte zu bewältigen, ohne dass sie sich in den lokalspezifischen Details einer jeden Stadtgeschichte und -kultur verläuft oder aber den Vergleich so systematisch abstrahierend durchexerziert, dass man zwar einmal mehr etwas über die analytischen Instrumente des wissenschaftlichen Vergleichs erfahren hat, der Charakter der zu vergleichenden Städte darin jedoch verblasst. Die 2005 veröffentlichte Dissertation von Franziska Puhan-Schulz darf als eine solche Ausnahme gelten und dies bei einem Vergleich nicht allein zweier, sondern dreier Städte: Amsterdam, Frankfurt am Main und Prag. Dabei diente der [...] Boom an Neubauten für Kunstmuseen als Anlass für die umso schlüssigere Vergleichsachse: die Frage nach dem empirisch beobachtbaren Verhältnis von (Kunst-)Museen und Stadtimagebildung. [...]
In dieser Form des kontrastiven Vergleichs liegt die Stärke des Buches, denn die exemplarisch eingeflochtenen Gegenüberstellungen verschieben immer wieder die Konstellation der sich ähnelnden und unterscheidenden Charakteristika der Städte und ihrer Imagesuche.
Museen und Stadtimagebildung ist in der gut sortierten Reihe Kultur- und Museumsmanagement des transcript Verlags erschienen und geht, wie viele andere Bände der Reihe auch, über den proklamierten Management-Aspekt hinaus. Denn auch wenn sich die Publikation, wie die Autorin im Vorwort schreibt, durchaus als Handbuch lesen lässt, das Fehler bei laufenden Museumsplanungen vermeiden helfen kann [...], so besticht die ausgesprochen elegant verfasste Arbeit doch gerade dadurch, dass sie die Komplexität der Probleme und Fragestellungen, die eine Profilierung des Stadtimages durch Kunstmuseen mit sich bringt, nicht lösungsorientiert zu reduzieren versucht.
Frankfurter Rundschau, Feuilleton, 10. April 2006, Robert Kaltenbrunner
Da sich die Zahl der Museen und Ausstellungshallen zwischen 1980 und 2000 in den Niederlanden verdoppelt, in Deutschland gar verdreifacht hat, scheint es in der Tat angeraten, die Frage nach deren stadtpolitischer Bedeutung aufzugreifen. Das versucht Franziska Puhan-Schulz mit ihrem Buch Museen und Stadtimagebildung. Um der Vergleichbarkeit willen konzentriert sie sich dabei auf drei sehr bildhafte Ausschnitte von europäischer Altstadt: dem Museumsplein in Amsterdam, der Nationalgalerie in Prag und dem Museumsufer in Frankfurt am Main. Neu [...] ist die Dimension, die fraglos in den letzten zwanzig Jahren die Städtekonkurrenz noch zusätzlich befeuert hat. »Für die Tourismuswirtschaft werden ganze Innenstädte zu Museen, innerhalb derer sich Denkmal- und Kunstbetrachtung mit Restaurantbesuchen, Shopping und anderen Lebensstil-Erfahrungen verbinden lassen.« Es geht um den raschen Konsum möglichst vieler Schausammlungen. Die »Nacht der Museen« erweist sich als überaus durchschlagkräftige Marketing-Idee; und garniert mit Museumsshops und -cafés, gerät der Besuch schnell zum Event.
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